Für Bildungsorganisationen bzw. Bildungsanbieter stellt sich die Herausforderung, wie sie Werkzeuge wie ChatGPT & Co und spezifisch konfigurierte CustomGPTs für alle Lernenden / Studierenden / Teilnehmenden verfügbar machen können, ohne dass jede Person eine Lizenz bei einem Anbieter erwerben muss. Das war auch die Problemstellung für uns bei SCIL Academy im Hinblick auf die von uns entwickelten CustomGPTs zur begleitenden Unterstützung unserer Weiterbildungsangebote. Microsoft Copilot Studio ist eine No-Code / Low-Code Entwicklungsumgebung für CustomGPT / Copiloten / Agenten, die es möglich macht, die erstellten Assistenten über eine beliebige Webseite für Nutzer verfügbar zu machen.

Julia Mann, Master-Studentin an der Hochschule Offenburg, hat sich im Rahmen ihres Hochschulpraktikums bei SCIL unter anderem mit dieser Problemstellung auseinander gesetzt. Sie hat Microsoft Copilot Studio als Plattform für das Erstellen und Zugänglich-Machen von CustomGPTs erprobt und mit dem CustomGPT-Builder von OpenAI verglichen. Nachfolgend ihr Bericht.


Die Erstellung eines KI-Assistenten kann je nach Plattform ganz unterschiedlich ablaufen – von einfachen Instruktionen bis hin zu komplexen, regelbasierten Dialogverlaufsplanungen. In diesem Projekt wurde ein KI-Assistent in zwei unterschiedlichen Umgebungen umgesetzt und getestet: Microsoft Copilot Studio und OpenAI GPT-Builder. Der Fokus lag darauf, die Unterschiede in der Umsetzung und Nutzbarkeit dieser beiden Ansätze zu analysieren.

Für Eilige hier die Ergebnisse auf einen Blick:

Abb. 1: Übersichtsgrafik (Hinweis: Zum Vergrössern auf das Bild klicken)

Abb. 1: Übersichtsgrafik (Hinweis: Zum Vergrössern auf das Bild klicken)


Der SCIL Skript-Buddy

Der SCIL Skript-Buddy hilft Teilnehmenden an Weiterbildungsmodulen, die eigene Vorbereitung mit einem bereitgestellten Skript oder Einführungstext zu überprüfen. Der SCIL Skript-Buddy stellt Fragen zum Skript bzw. Text und gibt Feedback zu den Antworten.

Der SCIL Skript-Buddy bietet den Nutzern drei Dialog-Varianten an: Gespräch, Erläuterungen oder Quick-Check. Hier der entsprechende Ausschnitt aus der Instruktion im OpenAI GPT-Builder:

Erläutere deinem Gegenüber die drei verfügbaren Gesprächsmodi. Verwende dabei folgende Hinweise: (1) Gespräch: Wenn du Zeit hast, können wir ein Gespräch zum Skript beginnen, in dem wir dein Verständnis wichtiger Inhalte klären. Ich werde dir dabei Fragen stellen und dir Feedback zu deinen Antworten geben. (2) Erläuterungen: Wenn du eine konkrete Frage zu einem Thema oder einem Konzept aus dem Skript hast, kann ich dir dabei helfen, dieses besser zu verstehen. Ich werde deine Frage aufgreifen und dir das Thema / das Konzept erläutern. (3) Quick-Check: Wenn du deine Vorbereitung schnell überprüfen willst, stelle ich dir fünf anspruchsvolle Fragen, die du dann beantwortest. Wenn du möchtest, kann ich dir nach der Beantwortung dieser fünf Fragen zusätzlich auch noch fünf Multiple-Choice-Fragen zum Skript stellen. (4) Moduswechsel: Du kannst jederzeit von einem in den anderen Modus wechseln. Gebe dazu einfach "Moduswechsel" oder einen ähnlichen Hinweis ein.

Vorgehen bei der Erstellung des KI-Assistenten je Umgebung

Die Entwicklung des SCIL Skript-Buddy erfolgte in zwei unterschiedlichen Umgebungen: GPT Builder von OpenAI und Microsoft Copilot Studio. Dabei zeigte sich ein wesentlicher Unterschied in der Art und Weise, wie der Assistent erstellt und konfiguriert werden musste.

In OpenAI wurde der KI-Assistent (CustomGPT) durch eine einfache Instruktion definiert und zusätzlich wurden verschiedene Schulungsskripte als Wissensquellen hochgeladen, sodass der Assistent direkt darauf zugreifen konnte. Die von OpenAI generierten Antworten werden dynamisch auf Basis der Eingaben erzeugt und an verschiedene Nutzerfragen angepasst, ohne dass ein vorab festgelegter Dialogablauf erforderlich ist.

Mit Microsoft Copilot Studio ist dies ebenfalls möglich - allerdings hat es nach unserer Erfahrung nicht immer gut funktioniert. Insbesondere die Auswahl einer Dialog-Variante und der Wechsel zwischen diesen Varianten erwies sich als schwierig bzw. unzuverlässig. Deshalb wurde in dieser Low-Code-Umgebung ein anderer Weg verfolgt. Copilot Studio bietet die Möglichkeit einer regelbasierte Dialogführung, bei der die Absicht des Users auf der Basis der Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP) erkannt und klassifiziert wird. Diese Möglichkeit haben wir bei der Umsetzung des Skript-Buddy in Copilot Studio genutzt. Die umfangreiche Instruktion aus dem OpenAI GPT-Builder wurde dafür in verschiedene Aufgaben und einzelne Schritte zerlegt. Damit wurde eine detaillierte konzeptionelle Vorausplanung der möglichen Dialogverläufe erforderlich, inklusive Interaktionsregeln, Integration von Schleifen und Wiederholungen sowie Einbindung von Entscheidungsfragen mit vordefinierten Antwortmöglichkeiten.